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Home Akustik - Lärm Lärm? mögliche gesundheitliche Folgen

Lärm - Gesundheitliche Folgen

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Kann sich das Gehör selbst schützen?

Bei größeren Schallereignissen, wie wir sie aus der Natur kennen, z.B. Donner oder Sturm hilft sich das Gehör mit einem natürlichen Gehörschutz. Beim Überschreiten eines bestimmten Schallpegels, je nach Art des Schalls zwischen 70 und 85 dB, verändert ein Muskelreflex die Schallübertragung vom Trommelfell zum Innenohr.

Die Gehörknöchelchen werden an der freien Bewegung gehindert. Dieser Reflex wird nach dem Namen des auslösenden Muskels „Stapediusreflex“ genannt. Der Stapedius ist ein Muskel, der am Steigbügel befestigt ist. Seine Reflexantwort auf einen lauten Reiz besteht darin, die Fußplatte des Steigbügels nach außen und nach rückwärts zu ziehen. Die kombinierte Aktion des Stapedius und des Trommelfell-Spannmuskels begrenzt die Bewegungsfreiheit der Gehörknöchelchen und hilft, das Innenohr vor Schäden infolge hoher Schalldrücke, besonders bei niederen Frequenzen, zu bewahren. Der Stapedius ist aber wie jeder Muskel nicht in der Lage, längerfristig angespannt zu verharren. Daher hält dieser Schutz leider nur weniger als 1 Minute an.

Der Knall für’s Leben

Neben dem - freiwilligen und unfreiwilligen - Dauerlärm sind kurze, laute Knalle besonders gefährlich. Fachleute sprechen von Impulslärm.

Da dieser Lärm nur so kurz zu hören ist, wird die tatsächliche Lautstärke gar nicht extrem stark empfunden. Das Gehirn benötigt etwa eine zehntel Sekunde, um korrekt einzuschätzen, wie laut etwas ist. Auch der Stapediusreflex wird nicht oder zu spät ausgelöst.

Auch wenn die tatsächliche Gefahr dem Gehirn und damit dem Menschen nicht bewusst ist, gilt:

Bereits ein einziger überlauter Knall kann das Gehör für das ganze Leben schädigen.

Hier steht eine am Ohr abgefeuerte Zündplättchen-Spielzeugpistole mit bis zu 180 Dezibel einem Gewehr der Bundeswehr kei­neswegs nach.

Der Gewehrschuss ist für das Ohr des Schützen - beim üblichen Abstand von weniger als 50 cm - bis zu 170 Dezibel laut. Ohne Gehörschutz entsteht durch diesen Impulslärm ein Knalltrauma. Auch ständiger Tinnitus (Ohrgeräusche) kann dadurch verursacht werden.

Gesunde und zerstörte Haar-Sinnenszellen

Man kann es sich so vorstellen, als wenn ein plötzlicher Orkan durch einen kleinen Wald fegt.

Die winzigen Zilien (Nervenzellen) werden wie die Bäume umgeknickt und teils schwerwiegend zerstört.

Der ent­standene Hörschaden kann sich in den ersten Wochen noch etwas zurückbilden. Einige Bäume, (bzw. Nervenzellen) richten sich wieder auf, aber sicher nicht mehr vollständig. In jedem Fall sollte man nach einem "Lärmunfall" den Hals­-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Und man sollte den Ohren einige Tage Ruhe gönnen.

LÄRMSCHWERHÖRIGKEIT IST UNHEILBAR.

Mehr als 90 Prozent aller Menschen mit bleibenden Hörproblemen leiden unter einer Schallempfindungs­schwerhörigkeit oder auch Innenohrschwerhörigkeit. Die häufigsten Ursachen für diese Funktionsstörung im Innenohr sind, wie beschrieben, Knalle und lauter Schall. Dabei sind die hohen Töne besonders schädlich. Die Schädigung hängt sowohl von der Intensität des Schalles als auch von der Einwirkungsdauer ab. Bei dauernder Einwirkung können schon Geräusche ab 85 Dezibel Hörschäden verursachen. Dabei werden die Hörsinneszellen (Haarzellen) im Innenohr geschädigt. Bei großem Lärm verengen sich die Blutgefäße und die Haarzellen werden schlechter durch­blutet. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel führt dazu, dass die Zilien (winzige Härchen) auf den Haarzellen verkleben oder zusammensinken. Wenn die Lärmbelastung nicht allzu groß war und den Ohren danach eine Ruhe­pause möglich ist, können sich die Zilien wieder erholen. Durch sehr lauten Schall oder durch Knalle können sie jedoch schon bei einmaliger Einwirkung abbrechen. Nachwachsen können sie nicht mehr. Die Folge kann eine lebenslange starke Hörminderung sein.

Bei beginnender Lärmschwerhörigkeit wird der Frequenzbereich geschädigt, für den das menschliche Gehör besonders empfindlich ist (etwa 3.000 bis 5.000 Hertz). Genau in diesem Bereich sind im Wesentlichen die Konsonanten in unserer Sprache angesiedelt.

Die Konsonanten sind zum Sprachverstehen deutlich wichtiger als die Vokale, die überwiegend aus tieferen Frequenzen gebildet werden.

Streichen sie doch spaßeshalber hier im Text gedanklich alle Konsonanten. Der Rest ergibt keinen Sinn. Streichen sie aber nur die Vokale, ist der Sinn des Verbleibenden noch zu erahnen.

Der letzte Absatz ohne Konsonanten:

___ei__e_ _ie _o__ __a_e__a__e_ _ie_ i_ _e__ _e_a___i__ a__e _o__o_a__e_. _e_ _e__ e__i__ _ei_e_ _i__. ___ei__e_ _ie a_e_ _u_ _ie _o_a_e, i__ _e_ _i__ _e_ _er__ei_e__e_ _o__ _u e_a__e_.

Keine Chance,  irgend etwas zu verstehen, oder?

Jetzt ohne Vokale:

Str__ch_n s__ d_ch sp_ß_sh_lb_r h__r _m T_xt g_d_nkl_ch _ll_ K_ns_n_nt_n. D_r R__t _rg_bt k__n_n S_nn. Str__ch_n s__  _b_r n_r d__ V_k_l_, _st d_r S_nn d_s v_rbl__b_nd_n n_ch z_ _r_hn_n.

Auch schwierig aber mit Fantasie und Konzentration ist der Sinn zu verstehen.

Hier war es das Schreibbild, beim gesprochenen Wort ist es nicht anders. Die Folgen sind Kommunikationsprobleme und damit häufig auch Missverständnisse, Unsicherheiten, Frustration, Isolierung und Depressionen.

Lärmschwerhörigkeit steht seit Jahren an der Spitze der anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland. Auch unter Jugendlichen nimmt die Anzahl der Lärmgeschädigten seit Jahren ständig zu. Gegen Lärmschäden helfen bisher weder Medikamente noch Operationen, sie sind unheilbar. Allein Hörsysteme (moderne Hörgeräte) können helfen, den Schaden halbwegs auszugleichen.

DIE OHREN SCHLAFEN NIE.

Das menschliche Gehör hat eine enorme Leistungsfähigkeit. Es kann Töne von etwa 20 Hertz bis 16.000 Hertz wahrneh­men: Tiefe Frequenzen wie Donnergrollen oder Schiffssirenen und hohe Frequenzen wie das Zirpen von Grillen.

Es verarbeitet unterschiedlichste Klangfarben und Lautstärken. Das Gehör ist offenbar für die Stille konstru­iert und nicht für große Lautstärken, denn diese können es zerstören.

Das Gehör erfüllt wichtige Funktionen:

  • Der Hörsinn alarmiert und warnt. Herannahende Menschen oder Fahrzeuge, die man nicht sieht, kann man hören. Hupen, warnende Zurufe, Tür- oder Telefonklingeln erreichen uns über das Gehör, sie fordern unsere Aufmerksamkeit.
  • Das Gehör unterstützt die Orientierung im Raum. Bei geschlossenen Augen hören wir, ob wir uns in einem großen Raum oder einem kleinen Zimmer befinden. Da wir mit zwei Ohren hören, können wir einschätzen, aus wel­cher Richtung Geräusche oder Töne kommen.
  • Dank unseres Gehörs können wir uns mit anderen Menschen über die Sprache gut verständigen.
  • Bei Gesprächen hören wir mehr als nur Worte. Wir neh­men auch die Sprachmelodie oder Tonhöhen wahr und ent­schlüsseln damit die Stimmung und Gefühle des Sprechers oder der Sprecherin.
  • Das Hörvermögen ermöglicht akustische Genüsse, wie Musik oder Meeresbrandung.

Die Augen kann man schließen, die Ohren nicht. Das Gehör steht auch im Schlaf auf Empfang. In der Entwicklungsgeschichte der Menschen war das überle­benswichtig. Auch heute ist diese Warnfunktion des Gehörs von großer Bedeutung. So werden Mütter vom kleinsten Geräusch ihrer Säuglinge wach. Mussten in der Steinzeit gefährliche Tiere gehört werden, sind es inzwi­schen Fahrzeuge oder Alarmanlagen. Heute dringen jedoch viel mehr Geräusche an unsere Ohren, als zum Warnen oder Orientieren notwendig wären. Die Belastung aus allgegenwärtigen Geräuschen - von der Musikbe­rieselung im Supermarkt bis zur Schnellstraße vor der Haustür - stört und schadet zunehmend. Es gibt kaum Erholungszeiten fürs Gehör.

Da wir Tag und Nacht hören, ist es um so wichtiger, dass zumindest in der Nacht nur die wirklich überlebenswichtigen Dinge an unser Ohr gelangen. Nur so finden wir Erholung und können neue Kraft für den neuen Tag schöpfen. Ein neuer Tag mit viel Lärm und Stress.